Westalpencross – 10 Etappen, 19751hm und 645,3km im Sattel

Streckenkarte

Streckenkarte

Auf der Website von BikeAlpin steht: “Der WestalpenCross ist praktisch die Krönung der Transalps”. Da kann ich nun uneingeschränkt zustimmen!

Bei den 10 Bike Etappen bekommt man eine atemberaubende Hochgebirgslandschaft mit ihrer Einsamkeit, fernab von Tourismus, geboten. Man sollte sich allerdings auch im Klaren sein, das das keine “Hasi und Mausi” Tour ist. Das zeigt auch der angegebene Schwierigkeitsgrad auf der Website des Veranstalters.

Man sollte die Tour also entsprechend fit und ausgerüstet antreten. Dazu gehört am Besten ein Fully mit neuen (!) Reifen (min. Fat Albert) und Ersatzbremsbelägen (2 Paar). Nach 10 Tagen auf dem teilweise ruppigen Gelände sind die Reifen “runter” und bei den vielen Trails sind auch schnell die Beläge abgenutzt. Felgenbremsen sind hier definitiv “fehl am Platze”! Das nächstemal würde ich noch ein paar leichte Schienbeinschoner mitnehmen, dann kann man die wunderschönen Trails unbeschwerter hinunterfahren.

1. Etappe Martigny – Entreves
56,6km, 2599hm davon ca. 300hm zu schieben, 8:37h Fahrzeit inkl. Pausen

Der Tag fing wettertechnisch leider nicht so gut an und das schlechte Wetter (zum Glück kein Dauerregen) begleitete uns fast bis zum Mittagessen in La Fouly.

Nach dem Essen ging es weiter auf den Col du Grand Ferret (2537m). Erst noch fahrend und dann bei Graupel die letzten Höhenmeter schiebend. Der anschl. Trail führte uns direkt ins Rifugio Elena auf 2062m. Wem nach dem Trail noch nicht warm geworden war konnte sich dort bei einem “Capucchio” aufwärmen. Den Rest der Strecke rollten wir auf Feldwegen und dann Straßen nach Entreves.

Im Hotel war es erstmal dringend nötig die Bikes vom doch sehr dicken Schlamm zu befreien. Sah fast schon aus wie Kuhmist … meine von der Farbe her gesehen ;-)

2. Etappe Entreves – Bourg St. Maurice
46,1km, 1467hm davon ca. 200hm zu schieben, 7:33h

Ab heute gab es die nächsten Tage erstmal super Wetter!!! So starteten wir zum Col de la Seigne (2516m). Erst auf der Straße die immer steiler wurde, dann auf ebenso steilen Feldwegen.

Hier kamen mir doch mal Zweifel, ob ich die Tour überhaupt durchstehe und warum man für solche Quälerei auch noch bezahlt ;-) Aber man gewöhnt sich daran und die folgenden Tage liefen konditionell dann doch wunderbar.

500hm vor dem Col de la Seigne kurze Pause im Rifugio Elisabetha. Vom Col de la Seigne führte wieder ein herrlicher Trail hinunter nach Le Chapieux und dann den Rest auf Straße nach Bourg St. Maurice.

Mancher Teilnehmer “überfiel” in Bourg St. Maurice einen Fahrradladen um sich mit neuen Reifen, Sattel (der den Trail nicht überlebte), etc einzudecken. Auf dieser Tour kann man die Radläden zwar suchen, wird aber kaum welche finden.

Das Hotel kannten wir schon von der MontBlanc-Matterhorn Tour und freuten uns richtig auch das dortige Abendessen. Wirklich sehr empfehlenswert.

Höhenprofil

Höhenprofil

3. Etappe Bourg St. Maurice – Bramans
111km, 3032hm, 11:28h

Da der Vanoise-Nationalpark nicht mehr mit Bikes befahren werden darf, muß das Gebiet umfahren werden. So ging es auf Straße erstmal immer leicht bergab nach Moutiers und dann wieder hinauf nach St. Martin de Bellville und weiter zum Col de Encombres (2370m).

Unnötig zu erwähnen, das a) ein Trail nach St. Martin D’arc führte und b) die Landschaft und das Alpinegelände umwerfend sind. a und b trösteten darüber hinweg, das wir nun wieder 500hm und 25km auf einer Straße nach Bramas hinauftreten mussten.

Unser “Gepäckservicefahrer” Flo erwartete uns dafür am Hotel schon mit einem brunnengekühlten Bier. Top-Service!!! :-D

4. Etappe Bramans – Briancon
65,5km, 1892hm davon ca. 200hm zu schieben, 9:39h

Frühs rollten wir erstmal wieder hinunter nach Modane und deckten uns für unser Mittagessen auf dem dortigen Markt mit Essen ein.

Dann folgten wir einer Straße/Feldweg auf den Col Vallee Etroite (2434m). Teilweise ist der Weg sehr steil, so das, wenn man nicht gerade über “Superkräfte” verfügt, auch mal schieben muß. Und ja! Erst führte uns Trail vom Col Echelle hinunter, dann eine Straße nach Briancon.

Ein Besuch in der Eisdiele, ich glaube was war in der Grand Rue oberhalb vom Place D’armes, lohnt sich unbedingt und sollte man sich nicht entgehen lassen.

Das Abendessen im Hotel war schon wirklich sehr interessant, wo bekommt man sonst Zunge als Abendessen serviert. Nicht unbedingt jedermans Sache ;-)

5. Etappe Briancon – Abries
43,3km, 2180hm davon ca. 400hm zu schieben bzw. zu tragen, 10:19h

Erst auf einer schmalen Straße, vorbei an den alten Forts von Briancon, fuhren wir auf Trails bis auf 2300 Meter zum Lac Noir. Dann auf einem kurzen Trail hinab nach Le Bourget und weiter nach Les Fonds.

Nach einer Stärkung mit einem schönen Omelette in Les Fonds (Empfehlenswert!!!) ging es sprichwörtlich, teilweise das Bike tragend, hinauf zum Col de Malrif (2900m). Von dort, na … wer errät es? … Klar! Ein super Trail bis vor die Haustüre unseres Hotels in Abriés.

6. Etappe Abries – Sampeyre
45,1km, 1360hm davon ca. 730hm zu schieben bzw. zu tragen, 8:18h

Heute musste wieder etwas geschoben und getragen werden um den Passo di Vallanta (2811m) zu erreichen.

Wir traten unser Bike erst auf Pisten ins Vallée de Guil (2100m) hinauf. Von dort musste man erstmal teilweise bis zum Rifugio Viso auf (2450m) schieben. Nach einer Pause im Rif. musste das Bike, nach einem kurzen Trail, bis zum Paß getragen werden.

Auf Singletrails fuhren wir dann bis Casteldelfino und auf einer Straße bis Sampeyre. Auch dort darf man sich einen Besuch in der Eisdiele nicht entgehen lassen. Lecker, Lecker, Lecker …

Im Hotel konnte man mal, während man ein Bier genießt, seine Wäsche in einer Automatenwaschmaschine mit zu kleiner Trommel (3kg) auffrischen. Wirklich sauber ist die Wäsche aber nicht geworden.

7. Etappe  Sampeyre – Vernetti
37,4km, 1699hm, 6:26h

Höhenmeter machten wir heute auf einer nicht endenen Straße, die stetig auf den Colle di Sampeyre (2285m) hochführte. Dafür folgte nun ein wirklich sehr schöner “flowiger” Trail hinunter ins Valle Maira. Lediglich die Dornenbüsche am Rand der Trails hinterließen einige Spuren an Mensch und ein vorangegangener Sturz ein Riss an einer Carbon-Maschine.

Den Abschluss der Etappe in Vernetti erreichten wir nach einem kurzen Anstieg.

Hier war dann auch genügend Zeit neben Mensch auch mal das Bike einer größeren Wartung zu unterziehen.

Das Hotel sollte man auch mal gesehen haben! Das ganze ist eine Anlage die aus mehreren renovierten Häusern besteht und mit kleinen Gässchen durchzogen ist.

8. Etappe Vernetti – Bourg S. Dalmazzo
99,5km, 1895hm davon ca. 250hm zu schieben, 10:16h

Über eine kleine Straße fuhren wir zum Colle de Esischie (2366m) weiter zum Colle dei Morti (2484m). Dort kann man, muß aber nicht, sich mit einer Statue von Marco Pantani fotografieren lassen. Auf einer Kammstraße geht es ca. 14km leicht bergauf und bergab zum Rif. Gardetta (2315m).

Diese Kammstraße wird auch von irgendwelchen Offroadsportlern befahren. Da fallen gleich mal 10+ Jeeps, Range Rover, etc auf die Wege ein. Darf man das Sport nennen? Der Sinn besteht doch nur darin ein Gaspedal durchzutreten und dabei in einer klimatisierten Kiste zu hocken.

Egal, nach der Stärkung im Rif. Gardetta musste erstmals (! und ausgerechnet meiner) ein platter Reifen geflickt werden, bevor wir den Passo di Rocca Brancia (2620m) erreichen konnten.

1000 Höhenmeter Trail führen hinunter ins Val Stura und auf Straße mussten nochmals ca. 56km und ca. 920hm (zum Glück immer bergab) bis nach Bourg S. Dalmazzo (640m) vernichtet werden.

Das bisher schöne Wetter endete ca. 5km vor dem Etappen Ziel und wir wurden mit starken Nieselregen und einem 2. Platten (diesmal nicht ich!) am Hotel empfangen.

Das Hotel im Ort ist so neu das es noch nichtmal jeder kennt und wir jedesmal komisch angeschaut wurden als wir nach dem Weg gefragt haben. Das Hotel selbst wir wirklich schön, nur das Essen gestalltete sich etwas ungemütlich, da das Bier/Getränke immer sofort bezahlt werden mussten und der/die Kellner/in laufend Teller ab-/rumräumten.

9. Etappe Bourg S. Dalmazzo – Rif. Allavena
89,5km, 2716hm, 11:12h

Aufstehen um 5 Uhr war heute angesagt, damit wir für die kommenden Kilometer genügend Zeit haben. Ist es doch die schwerste Etappe. Nicht wegen der Kilometer und Höhenmeter sondern wegen dem “unförmigen” Straßenbelag.

Nach dem Frühstück ging es um 6 Uhr auf die Straße und fuhren erstmal hinauf bis Limone Piemonte um dort ein zweites Frühstück zur Stärkung einzunehmen.

Ach ja, das Wetter: Es hat glücklicherweise nicht mehr geregnet und wurde im Verlauf der Etappe immer besser. Es zeigte sich sogar auch wieder die Sonne.

Nach der Pause nahmen wir den Col di Tenda direkt am Fort Central (1850m) in Angriff. Im anschl. ständigen Auf und Ab ging es auf der ligurischen Grenzkammstraße auf doch recht “grob” schottrigem Belag bis zum Monte Grai (2010m). Von dort konnte man entweder der Straße bis zum Rif. Allavena (1560m) hinabfahren oder doch lieber den schönen Trail nehmen.

Ein Lob für den neuen Hüttenwirt und seine Köchin! Essen und Hüttenübernachtung waren hier TipTop. Dies war nach Aussage von Guide und einem Teilnehmer, der diese Tour das 3x fährt, nicht immer so.

10. Etappe Rif. Allavena – Ventimiglia
51,3km, 911hm davon ca. 150hm zu schieben, 8:21h

Der Morgen begrüßte uns mit Gewitter und Sturm, so das unser Vorhaben einen Sonnenaufgang in den Bergen zu betrachten ins Wasser fiel.

Vorteil: Wir hatten mehr Zeit fürs Frühstück. Mit einer Stunde Verspätung, aber bei schönem Wetter, starteten wir auf die letzte Etappe.

Vom Rifugio mussten wir erst wieder hinauf zur Grenzkammstraße, um dieser weiter bis zum Colle del Toraggio (1870m) folgen zu können. Von dort führten uns erst ein schöner langer Trail und dann wieder grobschottrige Straße bis zum Gola di Gouta (denke das war so bei 350m).

Den Rest wieder erst schottrige und holpriger Weg und dann nochmals Trails bis ins Ziel:

Den Strand von Ventimiglia!

Fazit, Dank und anderes:

Unser Fahrer konnte die letzten beiden Tage leider nicht so genießen, da leider die Lichtmaschine defekt war und er neben dem Gepäcktransport nun auch noch die Reparatur organisieren musste.

Auf dieser Tour waren wir sowieso Dauerkunde beim ADAC. Zwei Teilnehmer mussten leider per “Krankentransport” nach Hause gebracht werden. ABER keine Angst, es waren zum Glück nur leichte Verletzungen, aber eben solche mit denen man kein Fahrradfahren kann.

An dieser Stelle nochmals einen speziellen Dank an unseren Fahrer Flo, der uns Abends beim Zieleinlauf mit Bier begrüßte, das Gepäck immer ins Zimmer schleppte und am letzten Tag auch mit zusätzlicher Verpflegung versorgte!

Ebenso natürlich an BikeAlpin für die tolle Organisation und die gut ausgesuchten Hotels! An den Unterkünften gab und gibt es nichts auszusetzen.

Letzendlich Danke an unsern Guide Berny, der uns sicher und immer mit viel Spaß direkt von A nach B gebracht hat.

Jetzt ist nur die Frage, wie kann man das nach toppen? Welche Tour bucht man nun? Gute Frage …

Nachfolgen noch eine kleine Bilderauswahl.

Helmkamerafilme findet Ihr in meinem YouTube Kanal

7 Kommentare zu „Westalpencross – 10 Etappen, 19751hm und 645,3km im Sattel“

  • Hallo Ansgar,
    grandiose Bilder!
    Tolle Leistung! Bisst halt doch eine Granate!

  • Evil77:

    Kann mich nur anschließen…Hammerleistung

  • Peter:

    Hallo Ansgar,

    mal wieder ein super Bericht.
    Dank deiner detailierten Erklärungen kann ich
    wenigstens jetzt Zuhause mal erzählen
    wo ich mich 10 Tage rumgetrieben habe!

  • Thomad:

    War einfach saugeeeil oder ?!?
    Würd mich freuen wenn wir nochmal zusammen so ne ähnliche Tour fahren könnten…

    Gruß thomas

  • Mark:

    Hallo Ansgar,

    vielen Dank für die tollen Bilder und und Vidoes. Ich muß sie mir immer und immer wieder anschauen. Das ist eine wunderbare ERinnerung an eine wirklich traumhaft schöne Tour. Wenn du mal eine Tour findest die diesen Westalpencross toppen kann, damm gebe mir bitte bescheid. Ich bin dabei

    Gruß vom Mark aus FFB

  • Hi Ansgar,
    super Sache was Du da machst. Wie kann man die Tour Top’n …….Hattrick.
    Da kann selbst das Plutoniumgespann noch fleißig strahlen bis die mich……
    Schöne Griaß Herbert

  • Jürgen:

    hallo alle zusammen,
    ich möchte nächstes jahr zwischen august und september mit meinem sohn gerne diese tour fahren nur leider kann ich dazu keine gps daten finden.
    ich wollt mal fragen wie ich das am besten mache oder wo ich solche daten finden kann.
    hoff ihr könnt mir helfen
    Gruß Jürgen

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