Reisebericht: Lhasa-Kathmandu 2011

Streckenverlauf

Streckenverlauf

Nach langer Vorbereitung, Besorgungen etc. war es endlich soweit! Wir starteten am Sonntag, den 18.9.2011 auf unsere Lhasa-Kathmandu Mountainbiketour:

Sonntag, 18.9.2011:

In einem überfüllten ICE starteten wir vom hässlichsten Bahnhof in Deutschland (Würzburg) nach Frankfurt Fernbahnhof. Am überaus freundlichen (Achtung Ironie!) Schalter der Etihad Airways mussten wir erstmal im Durchschnitt 80€ für Übergepäck bezahlen.
Warum hier der DAV nur 30kg Freigepäck vorgesehen hat, bleibt wohl ein Geheimnis vom Sachbearbeiter. Zumindest mal scheint dieser kein Fahrrad zu fahren.
Der Flug mit Zwischenstop in Abu Dhabi war ruhig und angenehm. Der Anschlussflug nach Kathmandu wurde uns überraschend durch ein Business Class Upgrade versüßt.

So kamen wir am 19.9. um 17 Uhr in Kathmandu an. Der Bustransfer von der Außenparkposition des Fliegers dauerte knappe 20 Sekunden (100m!). Nach den Einreiseformalitäten und dem Besuch der Gepäckausgabe wurden wir mit Bus und Truck zu unserem Hotel dem Godavari Resort Hotel gefahren. Ein schönes und ruhiges Hotel, etwas außerhalb von Kathmandu. Kathmandu selbst ist nach ersten Eindrücken nicht gerade die sauberste Stadt (zumindest an den Hauptstraßen) und sorgt somit erstmal für einen „Kulturschock“.

Im Hotel dann erstmal die offizielle Begrüßung und Vorstellungsrunde, das ganze bei einem oder mehr Everest Biere.

Dienstag, 20.9.2011:

Ein Tag im Namen von Sightseeing:

-Pashupatinath: DER Tempel der Hindus
-Boudhanath wo die größte Stupa (eine Art Denkmal) der Buddisten steht. Meine Befürchtungen wurden dann hier Wirklichkeit: Es folgte eine Besichtigung einer Werkstatt für Thangkas mit „Verkaufsgespräch“.
-Patan (Lalipur) die viertgrößte Stadt in Nepal mit Besichtigung des „Goldenen Tempels“.

Alles zusammen schön und beeindruckend und sollte man mal gesehen haben.

Mittwoch, 21.9.2011:
leicht bewölkt, warm

Weiterflug mit China Airways nach Lhasa. Zum Glück mussten wir hier kein Übergepäck bezahlen! Der Hamburger der im Flieger verteilt wurde, hat eher nach einem Mix aus Pappe und nichts geschmeckt. Dafür war der Landeanflug zum übergroßen Flughafen von Lhasa, der in einem parallel Tal gelegen ist, sehr interessant. Es ist schon interessant, wenn der Flieger die Höhe durch andere Täler hindurch abbaut und die Berge links und rechts am Flieger vorbeiziehen sieht.

Nachdem der typisch chinesische Papierkram bei der Einreise erledigt war und diverse Reiseführer durch die Propaganda einkassiert wurden, durften wir endlich einreisen.

Obwohl es inzwischen auch eine Autobahn vom Flughafen nach Lhasa gibt, haben wir die schönere Landstrasse vorgezogen.

Erste Erkenntnis bei der Ankunft in Lhasa: Größer als man sich das vorgestellt hat, aber sauber. Die Chinesen haben wohl erkannt, das man mit Touristen viel Geld verdienen kann. Da geht man dann auch gerne dafür über Leichen.

Nach einem kalten und nicht sonderlich gutem Abendessen in unserem Himalaya Hotel, haben wir endlich unsere Bikes ausgepackt und zusammen gebaut.

Nächste Erkenntnis: Etihad geht nicht gerade pfleglich mit Gepäck und Fahrradtaschen/-koffern um! Es gab einige verbogene Bremsscheiben! (Zum Glück aber nicht bei meinem Bike!)

Zum Abschluß des Abends erstmal ein Lhasa Bier.

Donnerstag, 22.9.2011:
leicht bewölkt, warm

Die erste Nacht auf 3600m! Soweit keine Probleme, außer das man Nachts öfters mal wach wird und erstmal einen tiefen Atemzug nimmt.

Heute ein weiter Sightseeing-Tag:

-Potala, ein wirklich beeindruckender Palast, der sich auf seinem Hügel über Lhasa erhebt. Natürlich ein muß, den Palast auch von Innen anzusehen. Es fällt schwer das innere zu beschreiben, man muß das einfach gesehen haben. Beeindruckend fand ich div. Särge von verstorbenen Dalai Lhamas. z.B. ein Sarg besteht aus 3721 Gold! Einziger Wermutstropfen bei der ganzen Besichtigung: Die Chinesen missbrauchen die Tibeter als lebendiges Museum.
-Jokhang Tempel mit Altstadt. Der Tempel ist so das wichtigste für die Tibeter und jeder Tibeter sollte einmal im Leben zu diesem Tempel gepilgert sein. Hier in der Altstadt merkt man besonders stark die penetrante Anwesenheit der Chinesen. Militär und Polizei überall!

Essenstechnisch haben wir heute das Hotel vermieden. Mittags waren wir in einem sehr guten tibetischen Restaurant und Abends in einem anderen guten Restaurant essen (fragt jetzt nicht nach dem Namen!).

Freitag, 23.9.2011:
leicht bewölkt, warm
33,5km, 221hm

Weiterer Sightseeing-Tag, aber diesmal nicht mit Bus oder zu Fuß, sondern endlich mal auf dem MTB! So fuhren wir per MTB die 13km zum Drepung Kloster. Ein weiteres von den Bauten und Gestaltung schönes Kloster. Hier durfte auch mal innen fotografiert werden, natürlich nach Bezahlung von 20¥ = 2€, dies galt aber immer nur für einen Raum! Im nächsten Raum musste nochmals bezahlt werden.

Mittagessen am Jokhangplatz, ich hatte mich für ein Yak-Curry-Set entschieden, was wirklich sehr gut war. Yak ist überhaupt sehr gut.

Anschl. fuhren wir dann zu einem weiteren Kloster, dem Sera-Kloster. Das besondere und sehenswerte an diesem Kloster, sind die nachmittäglichen Mönchsdebatten in der Schule. (Video)

Nach dem Abendessen sind wir dann nochmals per Taxi zum Potala-Palast gefahren und haben uns dieses beeindruckende Gebäude auch mal bei abendlicher Beleuchtung betrachtet. Leider hat die Rückfahrt mit dem Taxi zum Hotel nicht wie gewünscht funktioniert: Entweder bekommt man erst kein Taxi, und wenn doch, wusste keiner wo das Himalaya Hotel ist. Da half es auch nichts, den Ort des Hotels auf einer abfotografierten Karte am iPhone zu zeigen.

Samstag, 24.9.2011:
leicht bewölkt, auch mal kurz Regen
52,68km, 674hm

Eine weitere Klosterbesichtigung, diesmal auch wieder per Bike.

Ziel war das Ganden-Kloster, ca. 50km östlich von Lhasa und auf ca. 4250m gelegen. Zu erreichen über ein Kurvenmassaker mit ca. 30 Kehren. Das besondere der Besichtigung: Wir konnten noch die letzten 10 Minuten eines „Gottesdienstes“ miterleben.

Die Rückfahrt nach Lhasa wurde dann per Truck und Bus erledigt. Man muß es ja nicht gleich übertreiben!

Auf der Rückfahrt, fuhren wir noch an dem übertrieben großen und hässlichem Lhasa Bahnhof vorbei. Die Chinesen scheinen auf Grund Ihrer Größe wohl Minderwertigkeitskomplexe zu haben und bauen somit alles übergroß. BTW: Die Bahnstrecke wird aktuell bis Xigaze verlängert!

Aufgrund der morgigen bevorstehenden Etappe wurde noch eine Standpumpe und Ersatzschläuche besorgt! Den Grund erfährt man noch.

Abendessen gab es dann in einem Touristenrestaurant „Crazy Yak“. Der Name ist Programm und man muß dort NICHT gegessen haben. Dafür war die Bar „Summit Camp“ 100m von unserem Hotel einen Besuch wert.

Sonntag, 25.9.2011:
leicht bewölkt, warm
86,57km, 432hm

Höhenprofil

ERSTE ETAPPE!

Heute sollten sich die gekauften Schläuche und die Standpumpe lohnen, den entlang der heutigen Strecke, der Straße G318, gab es einige dornige Sträucher. So hatten wir, ich glaube es waren 4 Platten.

Ziel war dann unser erstes Camp unterhalb des Kamba-La (La bedeutet Paß!). Für die chinesischen Touristen in Ihren Jeeps war unser Camp und auch die kommenden Camps immer wieder ein Fotomotiv.

Ein kurzer Regenschauer wurde in unseren geräumigen Zwei-Mann-Zelten bei warmen Tee „ausgesessen“.

Das Abendessen, welches durch unser nepalesischem Team in einem Küchenzelt auf 3 Gaskochern zubereitet wurde, war hervorragend. Erstaunlich was die Jungs heute und auch die kommenden Camps für uns immer zubereitet haben. TOP!

Montag, 26.9.2011:
leicht bewölkt, frühs kühl, nachmittags warm
82,98km, 1238hm

Die erste Nacht im Zelt war soweit ok und ich hatte auch einigermaßen gut geschlafen.

Frühe wurde uns zum Wecken erstmal einen schönen heißen Tee an das Zelt gebracht. Das ist mal Service!

Nach dem wirklich üppigen und guten Frühstück, wurden die letzten 1000hm auf den Kamba-La (ca. 4800m) in Angriff genommen. Die Anstiege der Straßen auf der gesamten Tour betrugen selten mehr als 7%, es ist hier lediglich die Höhe, die die Höhenmeter etwas langsamer „schmelzen“ lassen und das ganze somit etwas anstrengender machen.

Nach kurzer Abfahrt an den See auf 4400m, gab es erstmal eine Mittagspause. Dann fuhren wir ca. 40km am See entlang und dann nochmals 200hm hinauf bis zu unserem 2. Camp ca. 10km hinter Nagarze.

Abends dann noch eine kleine Überraschung für unser heutiges Geburtstagskind: Einen Kuchen und Flaschenbier zum Abendessen.

Dienstag, 27.9.2011:
sonnig, frühe kalt, nachmittags warm
89,73km/735hm

Erste Bewährungsprobe meines Schlafsackes mit Komfortbereich bis -13°C: Ja, er ist warm, was bei ca. -2°C am morgen schön angenehm war.

Nach Kaffee und anderen Leckereien, mussten wir den ca. 5050m hohen Karo-Paß hinauftreten. Der erste 5000er auf unserer Tour und ich habe immer noch kein Probleme mit der Höhe, was auch der Rest der Tour so blieb! Das einzige Problem: Warum muß man in dieser Höhe laufend pinkeln? ;-)

Nach dem Paß führte die Straße immer leicht wellig bergab nach Gyangze auf ca. 4030m, wo wir die Nacht wieder in einem Hotel verbrachten.

Mittwoch, 28.9.2011:
sonnig, warm
91,23km, 45hm

In Gyangze nochmals Sightseeing: Pelkhor Chöde mit seinem Kumbum.

Alleine das Kumbum (Stupa) welches begehbar ist, ist äußerst sehenswert. Das Geld für die “Fotografieflatrate” in dem Kumbum ist gut angelegt. Das Kumbum besteht aus zig Räumen und in jedem Raum befindet sich eine andere Statue/Budda. Da die Räume nicht beleuchtet sind, empfiehlt es sich eine Stirnlampe mitzunehmen.

Anschl. ging es relativ unspektakulär die Straße nach Xigaze (3840m).

Das Hotel in dem wir nun 2 Nächte zu Gast waren, war sehr gut und sauber. Den Wäscheservice (nicht ganz billig) haben wir gleich mal ausgiebig getestet, ebenso die schöne (billige) Bar ebenfalls.

Weitere Erkenntnis: Chinesen drängen sich gerne mal vor und haben nicht mal, wenn man diese darauf anspricht, ein schlechtes Gewissen. Mir werden die Chinesen langsam unsympathisch! … Nein, die sind mir jetzt schon unsympathisch!

Donnerstag, 29.9.2011:
sonnig/warm

Ein Teilnehmer musste eine Nacht in einem nicht ganz sauberen Krankenhaus verbringen! Problem: Wasser in der Lunge! Leider war für Ihn hier die Tour zu Ende. Das sind leider die Risiken (neben Kopfschmerzen, Übelkeit) in dieser Höhe, die jeden treffen können.

Nach einem Stadtbummel und dem Mittagessen, stand noch ein Besuch in dem Kloster Trashilhünpo auf dem Programm. Das besondere an diesem Kloster ist eine 26m hohe Buddastatue, deren Gesicht mit 250kg Gold vergoldet wurde.

Freitag, 30.9.2011:
sonnig, warm
93,82km, 641hm

Die Zipfelmütze von Powdertrails sorgt hier beim Frühstück für unerwartetes Aufsehen ;-)

Die heutige Strecke führte uns wieder die G318 entlang (leicht bergauf) bis nach Pazi auf 4150m, wo wir unser 3. Camp an einem Fluß aufschlugen.

Unterwegs haben wir noch Markus „aufgegabelt“, der hier alleine (nicht ganz „legal“) unterwegs war.

Samstag, 1.10.2011:
sonnig, erst sehr kalt, dann warm
76,19km, 1239hm

Die Nacht war sehr kalt. So kalt, das sich sogar auf dem Schlafsack Eis gebildet hat!

Meine heutige Erkenntnis: Ich vertrage die Milch aus Milchpulver nicht! Also, ab jetzt nur schwarzen Kaffee.

Nach dem Frühstück stand erstmal ein kleinerer Paß auf dem Programm, der Tso-La mit ca. 4500m. Danach erst steiler bergab und dann flacher, 40km die Straße entlang bis zum Fuß der Lakpa-Paßstraße. Von dort sind wir noch 16km, in Canyon ähnlicher Landschaft, die Straße bis auf 4824m hinaufgefahren. Dies war dann unser 4. Camp und zugleich das Höchste. Nachts liefen dann auch noch Yaks ums Zelt.

Sonntag, 2.10.2011:
sonnig, erst kalt (-4°C) dann warm
60,86km, 590hm

Da wir am Vortag so schön vorgearbeitet haben, mussten wir heute morgen nur ca. 450hm zu unserem höchsten Paß auf 5248m hochfahren. Dort wurden wir, wie auch auf den anderen Päßen, von unserem Begleitteam mit schönem, heißem Tee versorgt. Die Abfahrt, die fast 50km gleichmäßig, aber dank des Gegenwindes fast schon unmerklich bergab führte, endete am Hotel in Xêgar auf 4330m. Zwischendurch konnten wir auch schon in der Ferne den Mt. Everest sehen.

Das Hotel war, sagen wir mal, ok. Duschen ging nicht, da der Duschkopf nicht funktionierte, dafür stand eine Blechschüssel bereit, mit der man sich das Wasser über den Kopf schütten konnte. Das Essen und Bett aber hingegen waren gut.

Montag, 3.10.2011:
bewölkt, Graupelschauer, kühl
87km, 1378hm

Heute war ein früher Start angesagt. Abfahrt heute um 8 Uhr. Der 5200m hohe Pang-La musste bewältigt werden. Die Auffahrt zum Paß war ein regelrechtes Spitzkehrenmassaker (ca. 46 Kehren auf 24km). Das ganze auch noch auf einer Pistenstraße. Den Teer werden wir für die kommenden drei Etappen mal vergessen müssen. Bevor wir aber den Paß befahren durften, mussten wir an einem chinesischen Checkpoint vorstellig werden. Chinesen wollen halt alles kontrollieren. Also Gruppenvisum und Pässe vorzeigen. Nach 4h haben wir uns dann von 4330m auf 5200m hochgearbeitet. Und ja, es war oben kalt!

Bei der Abfahrt habe ich dann mal das Kurvenmassaker über einen sehr schönem Trail abgekürzt. :-)

Auf den letzten 26km dieser Etappe, die ca. 400hm immer leicht bergauf führten, mussten wir uns laufend motivieren. Der leichte dauernde Gegenwind, nicht so tolles Wetter und die schlechte Piste machte dies notwendig. Aber wir haben auch die Kilometer geschafft und waren froh, als das Camp endlich am Fluß auftauchte.

Unser 5. Camp lag schön an einem Fluß auf einem kleinen Stück Wiese und wie so oft haben wir Besucher am Camp, die uns beim Essen, etc zuschauen. Chinesen machen wie immer Fotos.

Dienstag, 4.10.2011:
sonnig, später auch warm
48,6km, 732hm

Es sah frühs nicht danach aus, aber die Wolken verzogen sich und wir konnten den Mt. Everest fast wolkenlos erleben. Unbeschreiblich!

Zuerst fuhren wir nach dem Frühstück zum Rongpu-Kloster von dort musste man nochmals ca. 16km bis zum Base Camp (5163m) bzw. Aussichtspunkt fahren. Ein Geheimtipp ist ein „verlassenes“ Kloster, was an dem Weg liegt. Dies sollte man sich auf jedenfall ansehen. Nach den obligatorischen Gruppenfotos am Aussichtspunkt (natürlich auch von Chinesen bewacht), besichtigten wir dann noch das zuvor genannte Rongpu Kloster.

Danach ging es die Piste wieder zurück zu unserem Camp, was wir diesmal nicht umgezogen haben, da die Lage auch für den kommenden Tag strategisch perfekt war.

Mal ein Wort zur Piste: Staubig, Waschbrettartig, hier hätte ich gerne ein Fully gehabt. Ach ja, staubig: Rücksichtslos sind hier die Jeepfahrer, die wie die Idioten über die Piste rasen und uns einstauben.

Mittwoch, 5.10.2011:
sonnig, warm
53,3km, 613hm

Der Morgen begann mit einer Überraschung! Nachts hat man uns das Toilettenzelt geklaut! WTF!

Wer klaut ein Zelt, das 1x1x2m groß ist!? Naja, jetzt muß erst mal ein Busch genügen.

Für heute stand ein weiterer 5000er auf dem Programm. So ging es auf noch schmalerer und steinigerer Piste auf den Nang-La. Landschaftlich war auch heute viel geboten. 8000er im Hintergrund und eine Hochebene soweit das Auge reicht. Lediglich die Piste wurde zum Ende in Old Tingri 4350m immer steiniger und nerviger! Langsam wünscht man sich Teer zurück!

Übernachtung heute in einem Guest House – Snowland. Ok, besser als Zelten, aber ich schlafe trotzdem in meinem Schlafsack, auch ist als Beleuchtung eine Stirnlampe im Zimmer sehr hilfreich. Dafür schmeckte das Bier vor dem Zimmer in der Sonne hervorragend.

Donnerstag, 6.10.2011:
sonnig, erst sehr kalt dann warm
107,21km, 1134hm

Heute soll es ein anstrengender Tag werden. Start heute auch um 8 Uhr und bei kalten -5°C. So ging es, immerhin wieder auf Teer, 70km leicht wellig erstmal auf 4570m zum Fuß des Lalung-La 5030m. Dieser Paß war noch einigermaßen schön zu befahren. Von dort fuhren wir wieder auf 4890m hinab zum Fuße des nächsten Paßes, dem Thang-La 5150m.

Vom Fuß eigentlich „nur“ 260hm und 9km, aber bei dem Gegenwind waren das fast schon gefühlte 1000hm, dafür gab es oben angekommen, nochmals eine hervorragende Aussicht auf die schneebedeckten Berge.

Von dort sind wir dann zu unserem vorletzten Camp bis auf 4630m hinabgefahren.

Heute nervte eine Gruppe Amerikaner, die meinten, jedesmal beim Überholen „Hello“ sagen zu müssen, obwohl man die bereits min. 2x gegrüßt hatte.

Freitag, 7.10.2011:
sonnig, erst sehr kalt dann warm
107,89km, 317hm

Bei -6°C starteten wir auf eine Etappe, die mehr als 100km fast nur bergab ging. Heute wäre ich über dickere Radhandschuhe froh gewesen. Anfänglich hatten wir noch leichte Gegenanstiege, aber ab Nyalang (4100m) ging es bis zum Grenzort Zangmu (2200m) nur noch bergab (ca. 30km). Dabei veränderte sich die Landschaft schnell von steiniger Einöde zu faßt schon urwaldähnlicher tiefgrüner Natur.

Der Grenzübertritt von China nach Nepal war schnell erledigt. Das Gepäck wurde von einer Gruppe Trägern von der chinesischen Flußseite über die Grenzbrücke auf die nepalesische Seite getragen und dort dann auf nepalesische Fahrzeuge verladen. Erstaunlich das nichts verloren ging.

Durch die Zeitumstellung haben wir nun 2 Stunden dazu gewonnen, so bezogen wir unser 8. und letztes Camp bereits um 14 Uhr in der Nähe von Barabise auf ca. 1030m.

Logischerweise war dies auch gleich das „wärmste“ Camp.

Oh! Wir haben auch wieder ein Toilettenzelt und unser Team hat im nahegelegenem Ort für jeden 2 Bier besorgt!

Samstag, 8.10.2011:
sonnig, warm
65,68km, 1389hm

Start heute um 8 Uhr mit Ziel Dhulikhel

Dafür ging es erst noch auf wenig befahrener Straße sehr wellig bergab bis auf 600m. Danach auf nun starkbefahrener Straße bis auf 1531m. Nervig ist hier eigentlich nicht der Verkehr, sondern eher die laufende unnötige Huperei der Busse, Autos, etc.

Um 15 Uhr kamen wir (man kann schon sagen) endlich in Dhulikhel an. Hier verluden wir die Bikes auf den Truck und fuhren mit unserem Bus direkt nach Kathmandu zu unserem Starthotel dem Godavari Resort Hotel.

Dort angekommen wurde natürlich erstmal auf die geschaffte Tour angestoßen!

Sonntag, 9.10.2011:
sonnig, warm

Der letzte Tag stand im Zeichen von relaxen und (fast) nichts tun.

Also erstmal Ausschlafen und später dann doch noch ein Besuch der Königstadt Bhaktapur. Der Eintritt in die Stadt kostet 1100 NSR = 11€! Aber lohnt sich und ist sehenswert.

Nachmittags nochmals im Hotel relaxen, bevor wir Abends nach Thamel (eine weitere Stadt im Großraum Kathmandu) fuhren und die letzten Möglichkeiten des Einkaufens nutzten, aber auch um die Tour in einem schönen Biergarten bei einem sehr guten Essen zu beenden.

Montag, 10.10.2011:
sonnig, warm

Nach dem Frühstück das große Packen. Fahrrad, Gepäck, etc wurde wieder Flugzeugtauglich verpackt.

Um 14Uhr wurden wir zum Flughafen gefahren. Dort mussten wir unnötig hilfreiche Träger abwehren, die sich allzu hilfsbereit um unser Gepäck kümmern wollten. Das Personal des Flughafens war schon ruppig genug im Umgang mit unserem Gepäck und Fahrradtaschen. Ich warte heute noch auf Rückmeldung von Etihad, aber die scheinen auf E-Mails auch nicht zu reagieren. Nie wieder Etihad!

Auch auf dem Rückflug mussten wir Übergepäck bezahlen: 1200$ (!)

Interessant war dann wieder der Start des Fliegers: Aufgrund der Größe des Fliegers (eine A330) und der umliegenden Gebirge, musste der Pilot eine 360° Kurve über Kathmandu fliegen, um genügend Höhe zu gewinnen.

Dienstag, 11.10.2011:

Nach einem ereignislosen Flug mit Zwischenstop in Abu Dhabi, kamen wir um 7 Uhr in Frankfurt an. Dann noch mit ICE nach Würzburg, somit war dann leider auch dieser Urlaub, um 10 Uhr schon wieder vorbei.

Nachwort:

Organisation durch den DAV Summit (mal abgesehen von dem zuwenig angesetzten Freigepäck und Infos), war soweit super. Man könnte noch von Seiten DAV noch folgendes verbessern: Streckenbeschreibung, Packliste, Infos überarbeiten. Z.B. GSM ist, anders als beschrieben, nirgendwo ein Problem. Handynutzung war fast immer ohne Probleme möglich. Die Packliste enthält so unnötiges wie z.B.: lange Unterwäsche (man hat lange Bikewäsche dabei), Gletscherbrille, Thermoskanne (Begleitteam ist ja immer dabei), Energieriegel (es gibt genügend zu essen), Wanderschuhe, Bergsteigerapotheke. Wenn man dann noch preislich was anpasst, wäre das auch noch gut!

Ergänzend zu der Packliste noch sinnvoll: Sonnenschutz 50+ (damit hatte ich nie Sonnenbrand), warme Handschuhe!!!, Reisekopfkissen, Badeschlappen.

Begleitteam von Intrek war auch super. Dank dem Team mussten wir uns nicht mit Chinesen und deren Behörden auseinandersetzen, dies wurde alles durch das Team erledigt. Die Camps waren schon immer fertig aufgebaut und wir wurden mit Tee begrüßt, was nach entsprechenden Etappen immer sehr angenehm war. Natürlich war das Essen mehr als hervorragend. Auch wurden die Führungen durch Klöster und Städte von dem Team übernommen.

Unser Tourguide war super! Hier gab es nichts auszusetzen. Sie hat alles souverän gemanagt und geregelt. Super fand ich, im Gegensatz zu anderen Veranstaltern, die Streckenaufteilung. So wie wir die Etappen gefahren sind, fand ich das Megagenial. Z.B. Bis Xigaze nur 4 Etappen statt 5, dafür ein freier Tag. Das Camp vor dem Everest Base Camp am Fluß zu belassen und nicht wegen 20km zu verlegen und den „Doppelpaß“ am Tag 11 auf einmal zu fahren, statt zwischendrin nochmals zu Campen, sowie auf die Etappe zw. Dhulikel und Kathmandu zu verzichten.

Alles in allem ein unvergesslicher und wundervoller Urlaub!

Nochmals die kurzen Eckdaten:

  • 15 Biketage, davon 2 Tage “Eingewöhnungstouren” um Lhasa.
  • 1136,71km
  • 11363hm
  • Höchster Punkt: 5248m
  • 5x 5000er Paß (wenn man das Everest Base Camp dazuzählt)
  • Längste Etappe 108km
  • 0 Regentage (!!!!!)
  • Kosten inkl. neuem Bike (Hardtail) 6500€

5 Kommentare zu „Reisebericht: Lhasa-Kathmandu 2011“

  • Zölle:

    Hört sich genial an !!!
    So was muss ich irgendwann auch mal machen sehr cool.
    mfg

  • Bernd:

    Hey Ansgar,
    hab mit Begeisterung gelesen. Irgendwann muss ich da auch hin.
    Gruß
    Bernd

  • Ansgar
    Endlich hatte ich Zeit deinen Text zu studieren und noch viel besser, die tollen Bilder anzuschauen. Sehr schön, dass du auch richtig auf die Menschen draufgehalten hast, was ja nicht immer so einfach ist. Aber mindestens bei den Chinesen muss man die Skrupel ja sowieso ablegen. ;-)
    Tolle Leistung und irgendwann, irgendwann muss ich auch ins Tibet (mit oder ohne Bike)!

  • Bine:

    Der Hammer… Wenn auch ein teures Vergnügen! Ist das Terrain anspruchsvoll zu fahren? Was für ein Bike braucht man dafür? Ich glaube die Höhe würde mir Probleme machen…. aber reizvoll wäre es schon — Bine

  • Andrea aus Empelde:

    Toller Bericht über deinen Nepalurlaub. Ich wuerde mal sagen, das es jede Menge Tee dort gab, oder? Dann braucht man auch das Gebuesch. liebe Gruesse auch von Peter.

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